Freitag, 29. Mai 2009

Jobwahl – Die letzten Hundert Tage vor der Aufnahme einer Beschäftigung

Laut dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) hätten Sie wohl gute Chancen, eine Stelle zu finden, wenn Sie alt sind, behindert und einer Minderheit zugehörig sind – dann sähe ein Arbeitgeber kaum eine Möglichkeiten, Sie zurück zu weisen.

Was tun Sie aber, wenn Sie ein ordentlich ausgebildeter Mitteleuropäer sind und – so wie eine Menge andere auch – nach Ende des Studiums einen Arbeitsplatz suchen? Es bleibt Ihnen nichts weiter übrig, aber Sie werden zumindest (!) die letzten ein Hundert Ihres Daseins als Student damit verbringen müssen, sich auf den Schritt ins Berufsleben vorzubereiten. Das hört sich nicht großartig an und – das ist es auch nicht. Aber es muss sein.

Also, scheuen Sie sich doch nicht, die ganz klassischen Wege zu beschreiten. Dazu gehören zunächst einmal eine ordentliche Analyse der eigenen Person. Schreiben Sie z.B. mit einem Dozenten Ihres Vertrauens und mit Ihren besten Freunden – denn die sagen Ihnen mit aller Wahrscheinlichkeit die Wahrheit – wo sie Ihre Stärken und Schwächen wissen – und zwar nicht nur die fürs Fach relevanten, sondern auch bei den sogenannten „soft skills“, die im derzeitigen Markt immer interessanter für den Arbeitsgeber zu werden scheinen.

Auf der Suche nach Jobs bemühen Sie dann eine Arbeitsmarktanalyse. Das heißt: Untersuchen Sie, in welchen Branchen arbeiten Männer/Frauen mit Ihrer Bildung und Ihrem Können – und entspricht eine dieser Branchen Ihrem Traum von einem Job. Nach dem Super-Job sollten Sie übrigens tatsächlich immer zuallererst Ausschau halten – dabei jedoch einen Ausweichplan nicht verdrängen. Also: Wenn mein Vorzugsjob in meiner Lieblingsbranche nicht vakant sein sollte, wo könnte ich noch schaffen?

In den meisten Situationen denken Personen, die zum 1. Mal eine Stelle suchen, zu kurz und suchen lediglich in dem engen Ausschnitt dessen, was sie erlernt haben. Hierbei übersehen sie angrenzende bzw. benachbarte Berufsfelder, bei denen sie ebenso arbeiten könnten, wenn sie ihre Skills nur etwas erweitern oder neu ordnen. Also Augen auf: Achten Sie auf Mitteilungen aus der Presse aus Ihrem Arbeitsbereich, schauen Sie auch die Stellenangebote (Magazine und/oder das Netz) objekiv an, reden Sie mit den Verbänden und abonnieren Sie eine Zeitschrift Ihres Faches. Oder wie wäre es mit dem Besuch einer Karriere-Messe?

Ziehen Sie auch Regionen in Betracht, die nicht zuvorderst im oberen Segment Ihrer Wunschvorstellung zu finden sind. Ja, auch in den Neuen Ländern können Sie arbeiten, jedoch wollen da vielleicht nicht so viele hin und Ihnen ist es aber wichtig, einen Start ins Arbeitsleben und damit die benötigte Berufserfahrung zu bekommen! Also, warum nicht Potsdam statt Nürnberg?.

Selbstverständlich möchten Sie Bares verdienen und auch hier müssen Sie sich vorab Wissen aneignen, wie die Branche zahlt und in welcher „Liga“ Sie als Starter auftreten können. Hierzu gibt es statistische Zusammenfassungen, in denen wenigstens die Bandbreite des durchschnittlichen Verdienstes abgebildet werden, die in der Branche Ihrer Vorstellung erstattet werden und ansonsten kennen Sie vielleicht einen Bekannten, der vor Ihnen das Studium abgeschlossen und dort einen Job hat. Der ist dann hoffentlich bereit, Ihnen zu erzählen, was Sie angeben müssten und was sie erwarten können (beide Zahlen sind bestimmt nicht deckungsgleich). Auch Studien zu Gehältern und Arbeitsberichte sowie Blogs sind eine brauchbare Quelle.

Ein letzter Punkt und ein wichtiges Thema: Kennen Sie Benimm-Knigge]? Wenn nicht, sollten Sie sich schleunigst darum kümmern. Edle Manieren und anständige Anziehsachen sind bei den meisten Arbeitgebern Pflicht. Wenn Sie also keinen blassen Schimmer haben, wie Geschäftsessen aufgebaut sind, wie man sich dort benimmt, wann man eine Pause einlegt oder in welcher Jobbranche hellbraune Sonntagsschuhe zum schwarzen Anzug gerado so akzeptiert sind, dann müssen Sie entweder einen entsprechenden Manieren-Kurs belegen bzw. den nächstbesten "Spießbürger" um Hilfe bitten. Der vermittelt es Ihnen sicherlich, und Sie tun sich damit einen merklich Gefallen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen