Donnerstag, 11. Juni 2009

Arbeitsmöglichkeiten – Die letzten 100 Tage vorm Eintritt ins Berufsleben

Laut dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) hätten Sie wohl die besten Chancen, einen Job zu bekommen, wenn Sie älter sind, behindert und einer Minderheit angehören – dann sähe ein Arbeitgeber kaum einen Grund, Sie abzulehnen.

Was machen Sie aber, wenn Sie ein tüchtig ausgebildeter Mitteleuropäer sind und – so wie eine Menge andere auch – nach Abschluss des Studiums einen Job suchen? Es bleibt Ihnen nichts weiter übrig, aber Sie werden mindestens (!) die letzten 100 Tage Ihres Daseins als Student damit verdingen müssen, sich auf den Schritt ins Berufsleben vorzubereiten. Das hört sich nicht nach Spaß an und – das ist es auch nicht. Aber es hilft.

Also, sperren Sie sich doch nicht, die ganz gewöhnlichen Wege zu gehen. Dazu zählen zunächst einmal eine gute Selbstanalyse. Schreiben Sie zum Beispiel mit einem Dozenten Ihres Vertrauens und mit guten Freunden – denn die sagen Ihnen mit höchstwahrscheinlich die Wahrheit – wo sie Ihre Stärken und Schwächen vermuten – und zwar nicht nur die fürs Fach relevanten, sondern auch bei den sogenannten „soft skills“, die im derzeitigen Arbeitsmarkt immer bedeutender werden.

Dann machen Sie eine Arbeitsmarktanalyse. Das heißt: Untersuchen Sie, in welchen Branchen arbeiten Menschen mit Ihrer Ausbildung und Ihren Fähigkeiten – und entspricht eine dieser Bereiche Ihrer Vorstellung eines Traumjobs. Nach dem Traumjob müssen Sie übrigens wirklich immer zuallererst die Augen aufhalten – hierbei jedoch einen Ausweichplan nicht außer Acht lassen. Also: Wenn mein Vorzugsjob in meiner Traumbranche nicht frei ist, wo könnte ich in diesem Fall arbeiten?

In einigen Situationen bedenken Personen, die zum ersten Mal einen Beruf bekommen möchten, zu einsilbig und suchen lediglich in dem engen Ausschnitt dessen, was sie gelernt haben. Also vernachlässigen sie angrenzende und verwandte Berufsfelder, in denen sie gleichfalls tätig sein könnten, wenn sie ihre Fähigkeiten lediglich etwas ausbauen oder neu ordnen. Also Augen weit aufreißen: Achten Sie auf Pressemittelungen aus Ihrem Arbeitsbereich, schauen Sie sich die Inserate (Magazine und außerdem das Netz) genau an, reden Sie mit den Gewerkschaftsverbänden und abonnieren Sie eine Fachzeitschrift. Oder wie wäre es mit dem Besuch einer Berufsmesse?

Seien Sie auch hellwach bei Regionen, die nicht unbedingt im oberen Drittel Ihrer Wunschvorstellung liegen. Ja, sogar im Osten können Sie arbeiten, aber wollen da wahrscheinlich nicht so viele hin und Ihnen geht es doch darum, einen Start ins Arbeitsleben und somit auch die brauchbare Erfahrung zu erlangen! Also, warum nicht Dresden an Stelle von Hannover?.

Vorrangig wollen Sie Geld verdienen und auch hier müssen Sie sich vorab informieren, wie die Branche zahlt und in welcher "Klasse" Sie als Beginner spielen dürfen. Hier gibt es statistische Jahrbücher, in denen wenigstens eine Einschätzung der Gehälter angegeben ist, die in Ihrer Wunschbranche erstattet werden und darüber hinaus kennen Sie eventuell jemanden, der vor Ihnen das Studium abgeschlossen und dort eine Stelle hat. Der ist bestimmt bereit dazu, Ihnen zu erzählen, was Sie verlangen dürfen und was sie erwarten können (beide Zahlen sind meistens nicht deckungsgleich). Auch Studien zu Gehältern und Arbeitsberichte sowie Weblogs sind eine gute Quelle.

Ein letzter Punkt und ein wichtiges Thema: Kennen Sie Benimm-Knigge]? Falls nicht, sollten Sie sich sofort darum kümmern. Aufrichtige Benimmmuster und anständige Kleider sind bei den meisten Arbeitgebern Pflicht. Wenn Sie also keine Ahnung haben, wie Geschäftsessen aufgebaut sind, wie man sich bei diesen benimmt, wann man ein Break einlegt oder in welcher Arbeitsbranche dunkelbraune Anzugsschuhe zum braunen Blazer gerade noch toleriert werden, dann sollten Sie entweder einen anschaulichen Business-Kurs aufsuchen bzw. den ersten "Spießbürger" konsultieren. Der erklärt es Ihnen sicherlich, und Sie tun sich damit einen spürbaren Gefallen.

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